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Itsukushima-Schrein Miyajimas – Misen-san - Japan

Pagoda With Cherry Trees © Jules_Kitano - Fotolia.comWenn die Flut über die Küste der kleinen Insel Miyajima steigt, umschließt der Pazifik die Plattformen und Pfeiler des Itsukushima-Schreins, wodurch der Eindruck entsteht, das Ensemble würde sich auf dem Wasser wiegen. Eine der berühmtesten Ansichten Japans ist das schwebende Tor des Schreins, das dem Gebäudekomplex vorgelagerte Torii. Im Shinto-Schrein werden fünf See-Kami verehrt, während Buddhisten die fünfgeschossige Pagode aufsuchen oder zum ewigen Feuer auf dem sich hinter der Anlage erhebenden Berg Misen pilgern. Die etwa 20 Kilometer südwestlich vor Hiroshima gelegene Insel Miyajima war seit jeher geheiligtes Gebiet: Noch bevor Saeki Kuramoto im Jahr 593 den Itsukushima-Schrein in seiner ursprünglichen Form errichtete, hatten dort Menschen der Natur gehuldigt. Bis heute ist die durch den vollständig bewaldeten Misen und zutrauliches Wild geprägte Insel eine der zauberhaftesten Landschaften Nippons. Einst hatten Frauen den Anblick nur aus der Ferne bewundern dürfen, ihnen war das Betreten der reinen Insel verboten, wie auch weder Geburten noch Sterbefälle auf dem Gelände geduldet wurden. Tatsächlich werden Verstorbene bis in die Gegenwart nicht auf Miyajima begraben, sondern nach Honshu überführt, um dort bestattet zu werden.


Ansichtskarte Itsukushima-Schrein Miyajimas – Misen-san - JapanIm 12. Jahrhundert entdeckte der ehrgeizige Kriegsherr Taira no Kiyomori Natur und Schrein für sich. Er ließ das Gebäudeensemble ausbauen, eine No-Bühne errichten und spendete Sutren-Rollen. Im 16. Jahrhundert – Bürgerkriege erschütterten das Land – veranlasste der nachmals legendär gewordene Feldherr Toyotomi Hideyoshi den Bau einer der Pagode benachbarten Halle, in der Sutren für die Seelen der Kriegsgefallen gesungen werden sollten. Das als „Senjo-kaku“ („Turm der tausend Tatamis“) bezeichnete Gebäude ist seit 1872 ein Toyokuni-jinja, ein der Seele des Bauherrn gewidmetes Heiligtum buddhistischer Provenienz. Seit dieser letzten Neuerrichtung existiert der Itsukushima-Schrein im Wesentlichen in unveränderter Form, wenngleich er mehrfach durch Sturm und Feuer beschädigt wurde, weshalb er häufig restauriert werden musste. Der japanische Adel glitt per Boot durch das Torii zum Schrein, niedrigen Ständen war der Zutritt bis zum 17. Jahrhundert untersagt. Nach der Einigung des politisch zersplitterten Landes liberalisierte man den Zugang.

Übrigens

Schließlich wurde das aus dem 12. Jahrhundert stammende Torii im Jahr 1875 durch den gegenwärtigen roten Torbogen ersetzt: Das 16 Meter hohe, aus Kampferholz errichtete Bauwerk ist ein vierbeiniges Ryobu-torii – eine stabile, Stürmen und Erdbeben trotzende Meisterleistung traditioneller japanischer Baukunst. Als ein Taifun im Jahr 2004 den Itsukushima-Schrein stark beschädigte, wurden an dem – 1996 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommenen – Komplex erneut umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig. Seit 2005 ist das Ensemble wieder für den Publikumsverkehr geöffnet: Bei Flut ist es mit dem Boot, bei Ebbe zu Fuß erreichbar, um im Schatten des Torbogens Muscheln zu sammeln oder um im Schrein ein Fässchen Sake zu spenden.