Unesco Sehenswürdigkeiten

Ryōan-ji - Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachen

Ryoanji © bosanza - Fotolia.comKyoto, etwa 400 km von Tokio entfernt im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu gelegen, gilt als das kulturelle Zentrum Japans. Kyoto, das viele Jahrhunderte lang bis 1869 zweite ständige Hauptstadt Japans war, beherbergt mehr als 1600 buddhistische Tempel, 400 Shintō-Schreine, sowie eine Vielzahl von Palästen und Gärten. Viele dieser Bauwerke wurden 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die maßgeblich dazu beiträgt, dass Kyoto zum beliebtesten Touristenziel Japans wurde, ist der Ryōan-ji Tempel mit seinem berühmten ZEN-Garten. Ryōan-ji, der Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachen, liegt im Hügelland im Nordwesten von Kyoto in einem alten Teichgartengelände. Ursprünglich im 11. oder 12. Jahrhundert unter den Fujiwara Fürsten angelegt, wurde die damalige Bebauung durch verschiedene Unruhen komplett zerstört. 1450 erwarb Hosokawa Katsumoto, ein hoher Militärführer dieser Zeit, das Gelände und - inzwischen zum Zen-Buddhismus konvertiert - veranlasste den Beginn des Baus des Tempels in seiner heutigen Form. Auch wenn bedingt durch Brandkatastrophen und andere äußere Umstände im Laufe der Jahrhunderte kleinere bauliche Veränderungen der Anlage vorgenommen wurden, in ihrer Grundkonzeption entstanden der Tempel und der dazugehörige Zen-Garten zwischen 1450 und ca. 1500. Heute besteht die Gesamtanlage aus dem im unteren Teil befindlichen Daiju-in Kloster mit dem Oshidori Teich als Wandelgarten, sowie dem oberhalb gelegenen Ryōan-ji Tempel mit dem Zen-Garten.


Ryoanji AnsichtskarteBeim Betreten der Anlage kommt man zuerst in den noch aus dem 12. Jahrhundert stammenden Teichgarten. Auffallend sind die vielen Mandarin-Enten auf dem Teich, wodurch der Tempel zwischenzeitlich auch den Beinamen Oshidoridera, der Tempel der Mandarin-Enten, erhielt. Beim Anlegen dieses großen künstlichen Teichs wurde die Landschaft außerhalb der Tempelmauern bewusst gestalterisch mit einbezogen. Durch das Hauptgebäude des Tempels, der zur größten Schule des Rinzai-Zen gehört, gelangt man zu dem legendärsten Zen-Garten Japans, der 1473 vom Zen-Mönch Soami, einem Berater des Shoguns Yoshimasa, angelegt worden sein soll. Der rechteckige Garten misst etwa 30m von Osten nach Westen und 10m von Süden nach Norden und besteht aus einer Anordnung von 15 Steinen, verteilt in fünf Gruppen, um die herum weißer Kies kreisförmig geharkt ist. Um die wahre Bedeutung dieses Gartens erfassen zu können, müsste man sich intensiv mit der Philosophie und Meditationstechnik des Zen-Buddhismus vertraut machen. Für den touristischen Betrachter ist jedoch eines besonders augenfällig, aus keinem Blickwinkel sind alle 15 Steine gleichzeitig zu sehen, getreu dem buddhistischen Prinzip, stets mit dem zufrieden zu sein, was man hat bzw. sieht. Im Norden befindet sich das Priestergebäude mit der Sitzterrasse, von der aus man den Garten überschauen kann. Die den Garten umgebende Mauer wurde aus in Öl gekochtem Lehm errichtet. Da das Öl im Laufe der Jahrhunderte aus dem Stein ausgetreten ist, besitzt sie jetzt ein ganz besonders eigentümliches Design.

Übrigens

Ansichtskarte von Igor AdolphWer das Glück hatte, diese Anlage einmal zu betreten, ist zutiefst davon überzeugt, dass es mehr als berechtigt ist, dass der Ryōan-ji Tempel und der dazugehörige Zen-Garten in Kyoto zum UNESCO Weltkulturerbe Historisches Kyoto gehören und alles dafür getan werden muss, diese Stätte der Nachwelt zu erhalten.