Unesco Sehenswürdigkeiten

Todai-ji - der Große Östliche Tempel

Todaiji © mmette - Fotolia.comEtwa 450 Kilometer südwestlich von Tokio liegt die Stadt Nara, in der heute etwa 366.000 Menschen leben. Zwischen 710 und 784, also vor über 1200 Jahren, war Nara die Hauptstadt des japanischen Kaiserreiches. In dieser Zeit wurde die Stadt zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes. Noch heute erinnern vor allem architektonische Meisterwerke an diesen Zeitabschnitt. Im Jahr 1998 verlieh die UNESCO dem „alten kaiserlichen Nara“ daher den Titel des Weltkulturerbes. Von besonderer Bedeutung in diesem gesamten Ensemble monumentaler Bauten ist dabei der Tōdai-ji, einer der bekanntesten und geschichtlich bedeutendsten Tempel Japans. Dieser buddhistischer Tempel hat verschiedene Superlative zu bieten: So beherbergt er zum Beispiel die weltweit größte buddhistische Bronzestatue, den Nara Daibutsu (Großer Buddha von Nara). Die Daibutsuden, die Große Buddha Halle, das zentrale Tempelgebäude des Tōdai-ji, ist zudem das größte rein aus Holz errichtete Gebäude der Welt. Der ursprüngliche Komplex umfasste darüber hinaus auch zwei einhundert Meter hohe Pagoden – zu ihrer Zeit wohl die höchsten Gebäude der Welt – die allerdings einem Erdbeben zum Opfer fielen.
Der Tōdai-ji wurde 745 im Auftrag des Kaisers Shōmu erbaut. Um ein Reich nach dem Prinzip der Harmonie und der buddhistischen Gesetze zu errichten und in der Überzeugung, dass so dem Volk Wohlstand gebracht und Schutz vor Naturkatastrophen geboten werden kann, ließ der Kaiser im gesamten Land buddhistische Klöster erbauen. Mit der Tempelanlage in Nara erschaffte er schließlich eine Art Knotenpunkt für dieses Geflecht von Tempeln und Klöstern. Mit der Zeit wurde der Tōdai-ji aber so machtvoll, dass Nara seine Stellung als Hauptstadt an Nagaoka verlor. Auf diese Weise versuchte man, den Einfluss des Tempels auf die Regierungsgeschäfte zu senken.


Todaiji AnsichtskarteZu den besonderen Sehenswürdigkeiten gehört zweifellos die riesige Buddha-Statue, die Buddha Vairocana darstellt, dem bedeutendsten Buddha im Glauben der Kegon-Schule, die bis heute im Tōdai-ji ihre Heimstätte hat. Allein die Figur ist über 16 Meter hoch und 452 Tonnen schwer. Im Jahr 752 fand die pompöse „Augenöffnungszeremonie“ statt, an der der Kaiser und seine Familie, hunderte Mönche, Botschafter aus China, Indien und anderen Ländern sowie über 10.000 Gäste teilgenommen haben sollen.
Eine weitere beliebte Attraktion des Tempels ist eine der Säulen im Inneren der Großen Buddha Halle. Am unteren Ende der Säule ist ein Loch von der Größe des Nasenloches des Daibutsu. Die Legend besagt, dass derjenige, der durch das Loch kriechen kann, in seinem nächsten Leben mit der Erleuchtung gesegnet wird. Bemerkenswert ist auch das Eingangstor, Nandaimon, aus dem Jahr 1199, mit den beiden rund achteinhalb Meter hohen Wächterstatuen. Sie entstanden im Zuge des Wiederaufbaus des Tempels nach dem großen Brand 1180. Außerhalb der Daibutsuden, am unteren Ende der Treppe, sind zudem achteckige Laternen zu sehen, einem der ältesten Schätze in Tōdai-ji. Diese stammen noch aus dem originalen Tempel des 8. Jahrhundert.

Übrigens

© Rosemary Robenn - Fotolia.comAll diese Fakten und die Tatsache, dass der Tōdai-ji einen Höhepunkt buddhistischer Baukunst darstellt, brachten die UNESCO Ende der 1990er Jahre dazu, diese historischen Zeugnisse zum Weltkulturerbe zu erklären. Die Überreste des kaiserlichen Nara sind außergewöhnliche Zeitzeugen der Entwicklung japanischer Architektur und Kunst als Resultat kultureller Verbindungen zu China und Korea. Die Bauwerke sind Beispiele für die Architektur in und die Planung von frühen asiatischen Hauptstädten. Noch immer belegt der Tōdai-ji die spirituelle Kraft und den Einfluss des Buddhismus in außergewöhnlicher Art und Weise.